Das Hygrometer zeigt 62 %. Oder 35 %. Und plötzlich stellst du dir eine Frage, über die du vorher nie nachgedacht hast: Ist das normal, oder muss ich etwas tun? Im Netz findest du dazu jede Menge Zahlen, und gefühlt widerspricht sich jede zweite Seite.
Ich kenne das. Als ich in meinen Altbau eingezogen bin, stand das Hygrometer im Keller dauerhaft über 70 %, und wenige Monate später war hinter dem Schlafzimmerschrank der erste Schimmelfleck. Seitdem hängt bei mir in jedem wichtigen Raum ein kleines Messgerät, und ich weiß ziemlich genau, welche Werte unkritisch sind und ab wann es eng wird. Hier bekommst du die Richtwerte für jeden Raum, verständlich erklärt und ohne Panikmache.
Wie hoch ist die optimale Luftfeuchtigkeit? Die Kurzantwort
- Wohnräume: 40 bis 60 % relative Luftfeuchtigkeit. Diesen Zielbereich nennt auch das Umweltbundesamt.
- Im Winter: besser im unteren Bereich, also eher 40 bis 50 %, weil Außenwände kalt sind.
- Kritisch: wenn der Wert über Tage und Wochen über 60 bis 65 % bleibt. Dann steigt das Schimmelrisiko an kalten Stellen deutlich.
- Zu trocken: dauerhaft unter etwa 30 bis 35 %, typisch in der Heizperiode.
- Kurze Spitzen sind normal: Nach dem Duschen oder Kochen darf es kurz höher sein, wenn der Wert nach dem Lüften wieder fällt.
Optimale Luftfeuchtigkeit in Räumen: die Tabelle
Jeder Raum hat eine andere Aufgabe, eine andere Temperatur und eine andere Feuchtequelle. Deshalb unterscheiden sich die sinnvollen Werte leicht. Die Temperaturen orientieren sich an den Empfehlungen des Umweltbundesamts, die Feuchtewerte an dem Bereich, den ich in meinem Altbau seit Jahren messe und der sich bewährt hat.
| Raum | Optimale Luftfeuchtigkeit | Raumtemperatur | Worauf du achten solltest |
|---|---|---|---|
| Wohnzimmer | 40 bis 60 % | 20 bis 23 °C | Pflanzen, Aquarium und Wäsche heben den Wert |
| Schlafzimmer | 40 bis 60 %, im Winter eher 40 bis 50 % | 17 bis 20 °C | kühlster Raum, nachts kommt viel Feuchtigkeit dazu |
| Kinderzimmer | 40 bis 60 % | ca. 20 °C | gleichmäßig heizen, morgens lüften |
| Arbeitszimmer | 40 bis 60 % | 20 bis 22 °C | bei zu trockener Luft brennen die Augen am Bildschirm |
| Badezimmer | 40 bis 60 % als Grundwert | 20 bis 23 °C | nach dem Duschen kurz bis 80 % ist normal, danach muss der Wert zügig fallen |
| Küche | 40 bis 60 % | 18 bis 20 °C | beim Kochen kurz höher, Dunstabzug und Stoßlüften helfen |
| Flur | 40 bis 60 % | 15 bis 18 °C | Tür zu warmen Räumen geschlossen halten |
| Keller (unbeheizt) | möglichst unter 60 %, bis ca. 65 % meist unkritisch | oft 10 bis 15 °C | im Sommer nicht mit warmer Außenluft lüften |
Wichtig: Das sind Richtwerte, keine Grenzwerte. Entscheidend ist nicht ein einzelner Messwert, sondern was über mehrere Tage passiert. Eine Stunde mit 68 % nach dem Wäscheaufhängen ist kein Problem. Zwei Wochen mit 65 % im Schlafzimmer schon.
Optimale Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer
Das Schlafzimmer ist der Raum, in dem ich am genauesten hinschaue, und das hat einen Grund: Es ist meist der kühlste Raum der Wohnung, und gleichzeitig geben zwei Menschen über Nacht einiges an Feuchtigkeit über Atem und Haut ab. Kühle Luft kann aber weniger Wasser aufnehmen. Deshalb steigt die relative Luftfeuchtigkeit nachts oft deutlich an, und morgens beschlagen die Fenster.
Mein Richtwert: 40 bis 60 %, im Winter möglichst um 40 bis 50 %. Die Temperatur sollte laut Umweltbundesamt nicht unter 16 °C fallen, sonst werden Außenwände und Ecken zu kalt. Ich lüfte morgens direkt nach dem Aufstehen quer durch und lasse die Schlafzimmertür tagsüber nicht offen zum warmen Wohnzimmer stehen, damit dessen feuchte Luft nicht im kühlen Raum kondensiert.
Wenn der Wert im Schlafzimmer trotzdem dauerhaft über 60 % bleibt, findest du die passenden Maßnahmen im Artikel zum Luftentfeuchter fürs Schlafzimmer.
Optimale Luftfeuchtigkeit in der Wohnung und in Wohnräumen
Für die ganze Wohnung gilt der Bereich von 40 bis 60 %. Darin fühlen sich die meisten Menschen wohl, Schleimhäute trocknen nicht aus, und Schimmel hat an normal warmen Wänden kaum eine Chance. Das Umweltbundesamt nennt als behaglichen Bereich sogar etwa 30 bis 65 %. Der engere Bereich von 40 bis 60 % lässt dir aber mehr Luft nach oben, bevor es an kalten Stellen kritisch wird.
Wohnzimmer
Im Wohnzimmer liegt der Wert meist automatisch im grünen Bereich, weil es hier am wärmsten ist. Ausnahme: Viele Zimmerpflanzen, ein Aquarium oder Wäsche auf dem Ständer können den Wert schnell über 60 % treiben. Dann hilft es, die Wäsche ins Bad mit Fenster oder in einen Raum mit Luftentfeuchter zu verlegen.
Kinderzimmer
Gerade bei Kindern lohnt sich ein Blick auf das Hygrometer, weil Schimmelsporen und sehr trockene Luft die Atemwege belasten können. Als Vater von zwei Kindern halte ich mich auch hier an 40 bis 60 % und an eine gleichmäßige Temperatur um 20 °C. Ein Kinderzimmer, das tagsüber kalt bleibt und abends kurz aufgeheizt wird, ist anfälliger als eines, das konstant warm ist.
Bad und Küche
Im Bad sind Spitzen bis 80 % nach dem Duschen völlig normal. Entscheidend ist, dass der Wert nach dem Lüften innerhalb von etwa einer Stunde wieder unter 60 % fällt. Tut er das nicht, fehlt Luftaustausch, gerade in Bädern ohne Fenster. Was dann hilft, steht im Artikel zum Luftentfeuchter fürs Bad. In der Küche gilt das Gleiche fürs Kochen: kurz höher ist okay, dauerhaft nicht.
Luftfeuchtigkeit im Winter und im Sommer: warum die Jahreszeit zählt
Im Winter sollte die Luftfeuchtigkeit eher im unteren Bereich liegen. Der Grund sind die kalten Außenwände. Warme Raumluft kühlt an einer kalten Wand ab, und dort steigt die relative Feuchte direkt an der Oberfläche stark an. Schimmel braucht dafür kein tropfendes Wasser. Laut einem Ratgeber des Umweltbundesamts genügt an Materialien bereits eine relative Luftfeuchtigkeit von etwa 80 %.
Was das konkret heißt, zeigt ein Rechenbeispiel bei 20 °C Raumtemperatur:
- Bei 50 % Raumluftfeuchte erreicht eine Wandstelle ab etwa 12,6 °C schon 80 % Oberflächenfeuchte.
- Bei 60 % Raumluftfeuchte reicht dafür bereits eine Wandecke mit rund 15,4 °C.
- Bei 70 % Raumluftfeuchte wird es schon ab rund 17,9 °C kritisch.
Eine Außenecke mit 15 °C ist im Altbau im Januar keine Seltenheit. Genau deshalb ist 60 % im Winter eben nicht mehr „noch okay“, sondern bereits grenzwertig. Wie warm deine kritischen Stellen sein müssen, kannst du mit meinem Taupunkt-Rechner mit Schimmelampel für deine eigenen Werte ausrechnen.
Im Sommer ist es andersherum: Warme Luft trägt viel Feuchtigkeit, und Werte um 60 % sind in beheizten Räumen meist unproblematisch. Kritisch wird der Sommer im Keller. Wer an einem warmen, schwülen Tag das Kellerfenster öffnet, holt sich Feuchtigkeit herein, die an den kühlen Kellerwänden kondensiert.
Relative und absolute Luftfeuchtigkeit einfach erklärt
Dein Hygrometer zeigt die relative Luftfeuchtigkeit. Sie sagt, wie viel Prozent der Wassermenge in der Luft stecken, die bei dieser Temperatur maximal möglich wäre. Die absolute Luftfeuchtigkeit ist dagegen die tatsächliche Wassermenge in Gramm pro Kubikmeter.
Der Haken: Warme Luft kann deutlich mehr Wasser halten als kalte. Bei 20 °C und 50 % stecken rund 8,6 g Wasser in jedem Kubikmeter Luft. Wird diese Luft auf 12 °C abgekühlt, ist sie fast gesättigt. Umgekehrt erklärt das, warum die Luft im Winter oft so trocken ist: Kalte Außenluft mit 0 °C enthält selbst bei 100 % nur etwa 4,9 g pro Kubikmeter. Auf 20 °C aufgeheizt sind das nur noch rund 28 % relative Feuchte.
Merke dir deshalb: Ein Feuchtewert ohne Temperatur ist nur die halbe Information. 55 % bei 22 °C sind etwas ganz anderes als 55 % bei 16 °C.
Ab wann ist die Luftfeuchtigkeit zu hoch?
Ein einzelner Wert über 60 % ist kein Grund zur Sorge. Zu hoch ist die Luftfeuchtigkeit, wenn sie über mehrere Tage und Wochen über 60 bis 65 % liegt. Ein Ratgeber des Umweltbundesamts nennt als Obergrenze für die Raumluft auf Dauer etwa 65 bis 70 %, im Winter eher weniger. Typische Warnzeichen kennst du wahrscheinlich:
- Fenster beschlagen jeden Morgen von innen, das Wasser sammelt sich auf der Fensterbank
- es riecht muffig, vor allem in Ecken, Schränken und im Keller
- dunkle Punkte an Silikonfugen, Fensterlaibungen oder hinter Möbeln an Außenwänden
- Kleidung im Schrank fühlt sich klamm an
Wenn du zwei oder mehr Punkte wiedererkennst, lohnt sich ein genauer Blick. Bei beschlagenen Scheiben findest du die Ursachen im Ratgeber zu beschlagenen Fenstern. Was gegen dauerhaft zu hohe Werte wirklich hilft, vom richtigen Lüften bis zum Luftentfeuchter, habe ich Schritt für Schritt im Artikel Luftfeuchtigkeit senken zusammengefasst. Ist schon Schimmel zu sehen, geht es im Ratgeber Schimmel in der Wohnung weiter.
Und im Keller?
Im Keller gelten etwas andere Maßstäbe, weil er meist unbeheizt ist und die Wände kühl bleiben. Ziel ist, dauerhaft unter 60 % zu bleiben, bis etwa 65 % ist es meist noch unkritisch. Willst du dort Wäsche trocknen oder Kartons, Möbel und Werkzeug lagern, sollte der Wert eher darunter liegen. In meinem Altbaukeller habe ich das ohne Gerät nie geschafft. Wie ich ihn trocken bekommen habe, steht im Artikel zum Luftentfeuchter für den Keller.
Luftfeuchtigkeit zu niedrig: so erhöhst du sie
Das Gegenteil kommt vor allem in der Heizperiode vor. Liegt der Wert dauerhaft unter etwa 30 bis 35 %, merkst du das an trockenen Augen, gereizten Schleimhäuten, kratzendem Hals oder elektrisch geladenen Haaren. Bevor du ein Gerät kaufst, helfen oft schon einfache Dinge:
- Kürzer, aber gezielt lüften: Im Winter reichen zwei bis drei Stoßlüftungen von etwa fünf Minuten. Wer stundenlang kippt, holt sich trockene Kaltluft herein und kühlt die Wände aus.
- Nicht überheizen: Jedes Grad mehr senkt die relative Feuchte. 21 statt 24 °C machen einen spürbaren Unterschied.
- Wäsche im Wohnraum trocknen, aber nur, wenn das Hygrometer tatsächlich unter 40 % zeigt. Sonst kippt es schnell ins Gegenteil.
- Zimmerpflanzen geben Feuchtigkeit ab, allerdings in kleinen Mengen.
Wenn du einen Luftbefeuchter nutzen willst, achte auf Hygiene. Stehendes Wasser im Tank kann verkeimen, und Ultraschallgeräte verteilen bei Leitungswasser den Kalk als feinen Staub im Raum. Täglich frisches Wasser, regelmäßiges Reinigen und ein Gerät mit Hygrostat, das bei 50 % abschaltet, sind hier Pflicht. Mehr Ideen für ein angenehmes Raumklima findest du im Artikel Raumklima verbessern.
Luftfeuchtigkeit richtig messen
Ohne Messung ist alles Bauchgefühl. Ich habe anfangs auch gedacht, mein Schlafzimmer sei trocken, bis das erste Hygrometer mir das Gegenteil gezeigt hat. Heute steht bei mir in jedem wichtigen Raum ein kleines digitales Thermo-Hygrometer. Drei Dinge haben sich dabei bewährt:
- Richtig aufstellen: auf Kopfhöhe an einer Innenwand, nicht direkt neben Heizung, Fenster oder Wasserkocher. Für den Gesamteindruck gehört das Gerät in die Wohnräume, nicht nur ins Bad.
- Nicht auf einzelne Werte reagieren: Schau morgens und abends drauf und achte auf den Trend über eine Woche.
- Genauigkeit prüfen: Günstige Geräte können einige Prozentpunkte daneben liegen. Mit dem einfachen Salztest findest du heraus, wie genau dein Gerät misst.
Das sind die Geräte, die bei mir in mehreren Räumen hängen. Im Dreierpack kosten sie kaum mehr als ein einzelnes Markengerät, und die Komfortanzeige zeigt auf einen Blick, ob du im grünen Bereich bist:
- [ Temperatur & Luftfeuchtigkeit ] Das digitale Thermo-Hygrometer...
- [ Komfortanzeige auf einen Blick ] Drei Symbole zeigen sofort, ob...
Welche Hygrometer es sonst gibt, wo genau du sie aufstellst und wie der Salztest funktioniert, erkläre ich ausführlich im Ratgeber Hygrometer gegen Schimmel. Und weil Messen allein nichts ändert: Die Grundlage für gute Werte bleibt richtiges Lüften. Das Umweltbundesamt empfiehlt in seinen Tipps zum richtigen Lüften ebenfalls eine Raumluftfeuchte zwischen 40 und 60 %.
FAQ: Häufige Fragen zur optimalen Luftfeuchtigkeit
Wie hoch sollte die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung sein?
In Wohnräumen sind 40 bis 60 % relative Luftfeuchtigkeit ideal, im Winter eher 40 bis 50 %. Kurze Spitzen nach dem Duschen oder Kochen sind normal, solange der Wert danach wieder fällt.
Welche Luftfeuchtigkeit ist im Schlafzimmer optimal?
40 bis 60 %, im Winter möglichst um 40 bis 50 %, bei einer Temperatur von etwa 17 bis 20 °C. Weil das Schlafzimmer meist der kühlste Raum ist, steigt die Feuchte dort nachts besonders an. Morgendliches Querlüften ist deshalb Pflicht.
Sind 65 % Luftfeuchtigkeit zu hoch?
Als kurzer Wert nicht. Bleibt die Luftfeuchtigkeit aber über Tage und Wochen bei 65 %, ist das zu hoch, vor allem im Winter. An kalten Außenecken kann die Feuchte an der Wandoberfläche dann schnell den Bereich erreichen, in dem Schimmel wächst.
Ab welcher Luftfeuchtigkeit entsteht Schimmel?
Entscheidend ist die Feuchte direkt an der Oberfläche, nicht in der Raummitte. Schon ab etwa 80 % an Wand oder Material kann Schimmel wachsen. Das passiert an kalten Stellen bereits, wenn die Raumluft dauerhaft über 60 % liegt.
Ist 30 % Luftfeuchtigkeit zu trocken?
Ja, auf Dauer schon. Unter etwa 30 bis 35 % trocknen Augen und Schleimhäute aus. Kürzer und gezielter lüften, nicht überheizen und bei Bedarf ein sauber gepflegter Luftbefeuchter helfen.
Wo sollte ich das Hygrometer aufhängen?
Auf Kopfhöhe an einer Innenwand, mit Abstand zu Heizung, Fenster und Feuchtequellen. Ideal ist ein Gerät pro wichtigem Raum, vor allem im Schlafzimmer, Kinderzimmer und Keller.
Über den Autor
Lukas beschäftigt sich seit 2012 mit Luftfeuchtigkeit und Raumklima. Der Auslöser war ein Feuchtigkeitsproblem im eigenen Altbau mit dauerhaft über 70 % im Keller und Schimmel hinter dem Schlafzimmerschrank. Seitdem misst er in jedem wichtigen Raum und hat über ein Dutzend Luftentfeuchter getestet. Als Vater von zwei Kindern achtet er besonders auf ein gesundes Raumklima. Mehr über Lukas →