Der Taupunkt entscheidet in deiner Wohnung darüber, ob Wände trocken bleiben oder Schimmel wachsen kann. Sinkt eine Oberfläche unter diesen Wert, bildet sich Wasser. Bleibt die Luftfeuchte an einer Wand länger über 80 %, keimen Schimmelsporen, oft ohne dass du auch nur einen Tropfen siehst. Mit dem Rechner unten prüfst du beides gleichzeitig: den Taupunkt der Raumluft und das Schimmelrisiko an deiner kältesten Wand.
Was ist der Taupunkt und wann droht Schimmel? – Kurzantwort
Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der Wasser aus der Luft kondensiert. Bei 21 °C Raumluft und 55 % Luftfeuchte liegt er bei rund 11,7 °C. Jede Oberfläche darunter sammelt Wasser. Schimmelrisiko besteht bereits, wenn die relative Luftfeuchte an einer Wand über mehrere Tage 80 % übersteigt, auch ohne sichtbares Kondenswasser.
Taupunkt-Rechner mit Schimmelampel
Stell mit den drei Reglern deine Raumluft und die Wandoberfläche ein. Der Rechner zeigt dir sofort den Taupunkt und die tatsächliche Luftfeuchte an der kalten Wand. Die Ampel darunter sagt dir, ob das noch harmlos ist oder ob du handeln solltest.
Was ist der Taupunkt?
Luft speichert Wasserdampf, unsichtbar. Wie viel sie halten kann, hängt an ihrer Temperatur: warme Luft trägt deutlich mehr, kalte weniger. Trifft warme, feuchte Luft auf eine kühlere Oberfläche, kann sie den Dampf nicht mehr halten und gibt ihn als Wasser ab. Die Temperatur, bei der das passiert, ist der Taupunkt.
Konkret: 21 °C Raumluft mit 55 Prozent relativer Luftfeuchte hat einen Taupunkt von rund 11,7 °C. Jede Oberfläche in diesem Raum, die kühler als 11,7 °C ist, sammelt Wasser. Genau deshalb beschlagen im Winter die Scheiben, deshalb tropft es an einfach verglasten Fenstern, deshalb ziehen kalte Kelleraußenwände Feuchtigkeit.
Der Taupunkt ist ein physikalischer Grenzwert. Er hängt nur an Raumtemperatur und relativer Luftfeuchte. Sinkt eine Fläche darunter, gibt es Wasser, immer.
Taupunkt berechnen: die Formel
Für Wohnräume reicht die Magnus-Näherung. Sie ist im Bereich von -45 °C bis +60 °C ausreichend genau (Abweichung unter 0,1 K):
Td = b · α / (a – α)
α = ln(RH / 100) + (a · T) / (b + T)
mit den Konstanten a = 17,62 und b = 243,12 °C, T = Raumtemperatur in °C, RH = relative Luftfeuchte in Prozent.
Beispiel: Wohnzimmer mit 21 °C und 55 % Luftfeuchte.
α = ln(55/100) + (17,62 · 21) / (243,12 + 21) = -0,5978 + 1,4013 = 0,8035
Td = 243,12 · 0,8035 / (17,62 – 0,8035) = 11,63 °C
Der Rechner oben nimmt dir das ab und rechnet zusätzlich die relative Luftfeuchte an der kalten Wandoberfläche aus. Das ist der eigentlich interessante Wert, denn Schimmel wächst nicht in der Raumluft, sondern auf Oberflächen.
Taupunkt-Tabelle zum Nachschlagen
Wer keinen Rechner braucht, findet den Taupunkt auch in der Tabelle. Zeile = Raumtemperatur, Spalte = relative Luftfeuchte, Wert = Taupunkt in °C.
| Raumtemp. | 40 % | 50 % | 60 % | 70 % | 80 % |
|---|---|---|---|---|---|
| 16 °C | 2,4 °C | 5,7 °C | 8,4 °C | 10,7 °C | 12,6 °C |
| 18 °C | 4,2 °C | 7,4 °C | 10,1 °C | 12,4 °C | 14,4 °C |
| 20 °C | 6,0 °C | 9,3 °C | 12,0 °C | 14,4 °C | 16,4 °C |
| 21 °C | 6,9 °C | 10,2 °C | 12,9 °C | 15,3 °C | 17,4 °C |
| 22 °C | 7,8 °C | 11,1 °C | 13,9 °C | 16,3 °C | 18,4 °C |
| 24 °C | 9,6 °C | 12,9 °C | 15,7 °C | 18,2 °C | 20,3 °C |
Ablesehilfe: 20 °C Wohnzimmer bei 60 % Luftfeuchte, Taupunkt 12 °C. Sinkt irgendeine Wand oder Ecke unter 12 °C, tropft dort Wasser. Bleibt sie knapp darüber (13, 14 °C), tropft nichts, aber die Luftfeuchte am Bauteil geht über 80 %, und dann keimt Schimmel.
Ab welcher Luftfeuchte droht Schimmel?
Zwei Zahlen musst du dir merken:
60 Prozent im Raum ist die Grenze für die Raumluft. Alles darunter ist unbedenklich, alles darüber wird kritisch, je nachdem wie kalt die kältesten Stellen im Raum sind.
80 Prozent an der Oberfläche ist die Grenze für Schimmel. Liegt die relative Luftfeuchte an einer Wand länger als ein paar Tage über 80 %, keimen Schimmelsporen, auch wenn kein sichtbares Wasser da ist. Das Umweltbundesamt nennt diesen Wert als kritische Schwelle für Schimmelbefall.
Die Falle beim Hygrometer: dein Gerät misst die Luftfeuchte in der Raummitte, sagen wir 55 %. Klingt harmlos. An der kalten Außenwand-Ecke, wo es 3 bis 4 °C kühler ist, sind es dann aber schon 70 bis 75 %. Hinter dem Kleiderschrank an derselben Wand, wo kaum Luft zirkuliert und die Oberfläche noch kälter ist, geht es leicht über 80 %. Das Hygrometer zeigt grün und die Ecke schimmelt trotzdem. Genau deshalb ist der Rechner oben so gebaut, dass er die Luftfeuchte an der Wand ausweist, nicht in der Raumluft.
In meinem Altbau habe ich das selbst gemessen: Januar, Wohnzimmer 21 °C, Hygrometer in Raummitte 55 %. Infrarot-Thermometer an die Außenwand-Ecke hinterm Sofa gehalten: 14 °C. Rechnerisch macht das eine Wandluftfeuchte von 78 %. Grenzbereich, und tatsächlich zeigte sich dort nach zwei Wintern der erste graue Schleier. Möbel 15 cm von der Wand abrücken und Stoßlüften auf 45 % Raumluftfeuchte haben das stabilisiert.
Taupunkt in der Wohnung: die kritischen Stellen
Der Taupunkt selbst ist überall im Raum gleich, weil er nur an Temperatur und Luftfeuchte hängt. Aber die Oberflächentemperatur der Bauteile ist es nicht. Das sind die typischen Problemzonen:
Fensterlaibung. Die schmale Wand rund um das Fenster ist eine Wärmebrücke, im Winter oft 3 bis 5 °C kälter als die restliche Wand. Wenn die Scheibe beschlägt, ist die Laibung meist genauso feucht.
Außenwand-Ecken. Zwei Außenwände treffen sich, die Wärme kann nur in eine Richtung entweichen. Ecken sind daher die kältesten Stellen jeder Außenwand, oft 2 bis 4 °C kälter als die Wandmitte.
Hinter Möbeln an Außenwänden. Schrank, Sofa, Bett direkt an der Außenwand blockieren die warme Luft. Die Wand dahinter kühlt so stark ab, dass sie 4 bis 6 °C kälter ist als die Wandmitte. Der klassische Schimmel-Hotspot in Mietwohnungen.
Kellerdecke und Kelleraußenwand. Im Sommer wird der Keller zur Kondensationsfalle: warme, feuchte Außenluft trifft auf kühle Kellerwände (10 bis 14 °C). Wer im Sommer im Keller die Fenster aufreißt, holt sich das Problem aktiv rein. Dazu unten mehr.
Fensterlaibung im Neubau. Frisch gedämmte Häuser mit Dreifachverglasung haben oft weniger Wärme im Bauwerk, aber luftdichte Hüllen. Die Feuchte bleibt drin. Wenn wenig gelüftet wird, klettert die Raumluftfeuchte, und die Fensterlaibung wird zum ersten Kondens-Punkt. Details dazu unter Luftentfeuchter im Neubau.
Lüften nach Taupunkt: die einfache Regel
Lüften bringt nur dann Feuchte nach draußen, wenn die Außenluft absolut weniger Wasserdampf enthält als die Innenluft. Nicht relativ, das ist der Punkt.
Im Winter ist das fast immer erfüllt. Kalte Winterluft bei 90 % relativer Luftfeuchte draußen und 0 °C trägt nur rund 3,4 g Wasser pro Kubikmeter. Deine Wohnung bei 21 °C und 55 % hat rund 10 g pro Kubikmeter. Zweimal am Tag 5 Minuten Stoßlüften bringt trockene Luft rein.
Im Sommer, besonders im Keller, ist es umgekehrt. Warme Julinacht mit 22 °C und 80 % Luftfeuchte draußen trägt rund 15 g pro Kubikmeter. Dein Keller mit 14 °C und 65 % hat nur rund 7,8 g pro Kubikmeter. Wer jetzt die Kellerfenster aufmacht, verdoppelt die absolute Feuchte im Keller, und die Wände fangen an zu schwitzen. Regel im Sommer: Keller nur früh morgens (kurz vor Sonnenaufgang, wenn die Außentemperatur am tiefsten war) oder in kühlen Nächten lüften, sonst geschlossen halten. Ausführlich in richtig lüften.
Für den Anfang tut es auch die 5-Sekunden-Faustregel: ist die Außentemperatur deutlich niedriger als die Innentemperatur, lüften; ist sie höher, Fenster zu.
Was tun, wenn der Rechner Rot oder Orange zeigt?
Der Reihenfolge nach, vom Günstigsten zum Aufwendigsten:
1. Hygrometer aufstellen und beobachten. Ohne echte Messung tappst du im Dunkeln. Ein Hygrometer für 15 bis 30 Euro reicht. Aufstellen an der Wand, wo du das Problem vermutest, nicht in der Raummitte. Nach ein bis zwei Wochen weißt du, ob die Werte stabil hoch sind oder nur ein Ausreißer waren. Details in Feuchtigkeitsmesser beugen Schimmel vor.
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2. Nach Taupunkt lüften. Zweimal täglich Stoßlüften im Winter (5 bis 10 Minuten, Durchzug). Im Sommer nur kühle Nächte nutzen, nicht mittags. Kein Kippen. Küche und Bad sofort nach Nutzung querlüften.
3. Möbel abrücken. Schränke, Betten und Sofas gehören mindestens 5 bis 10 cm von Außenwänden weg, damit warme Raumluft die Wand erwärmt. Klingt banal, ist aber die häufigste Ursache für Schimmel hinterm Möbel.
4. Feuchtequelle finden und abstellen. Wäsche in der Wohnung trocknen, viele Pflanzen, ein tropfender Wasserhahn, Kochen ohne Dunstabzug, langes Duschen mit offener Badezimmertür: alles Quellen. Ein Vierpersonenhaushalt produziert am Tag etwa 8 bis 12 Liter Wasser als Dampf, das muss raus.
5. Elektrischer Luftentfeuchter, wenn die Feuchte chronisch bleibt. Bei dauerhaft über 60 % Raumluftfeuchte trotz Lüften ist ein elektrischer Luftentfeuchter das Mittel der Wahl, besonders im Keller und in feuchten Altbau-Räumen. Für die passende Größe siehe Luftentfeuchter Größe berechnen, für die Modellauswahl beste Luftentfeuchter.
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6. Wärmebrücken beheben. Wenn eine Wand oder Ecke strukturell zu kalt ist (fehlende Dämmung, konstruktive Wärmebrücke), hilft dauerhaft nur ein bauliches Eingreifen: Innen- oder Außendämmung, Fenstertausch, Laibungsdämmung. Das ist eine andere Größenordnung und in der Miete Sache des Vermieters. Sprich das Problem schriftlich an, dokumentiert mit Fotos und Messwerten.
Wenn schon Schimmel sichtbar ist, ist der Rechner nur noch Diagnose. Dann brauchst du zusätzlich eine Sanierung: kleine Stellen (kleiner als eine Postkarte) kannst du mit 70- bis 80-prozentigem Alkohol selbst behandeln, größere Stellen und alles was im Putz sitzt, gehört in Fachhände. Der Ratgeber Schimmel in der Wohnung geht darauf ausführlich ein.
Häufige Fragen
Ab welcher Luftfeuchtigkeit droht Schimmel?
An der Wandoberfläche wird es ab 80 Prozent relativer Luftfeuchte kritisch, wenn dieser Zustand über mehrere Tage anhält. In der Raumluft gemessen sind 60 Prozent die Warngrenze, weil die Luftfeuchte an kalten Stellen dann schon deutlich höher liegt. Werte unter 50 Prozent im Raum sind sicher.
Was ist ein guter Taupunkt in der Wohnung?
In geheizten Wohnräumen im Winter sollte der Taupunkt zwischen 8 und 12 °C liegen. Das entspricht bei 20 °C Raumtemperatur einer Luftfeuchte zwischen 40 und 60 Prozent. Alles darüber überlastet Fensterlaibungen und Außenwand-Ecken.
Warum unterscheidet sich die Luftfeuchte an der Wand von der im Raum?
Weil sich der Taupunkt beim Abkühlen nicht ändert, die relative Luftfeuchte aber schon. Kühlt die Raumluft an einer Wandoberfläche ab, ist derselbe Wasserdampf gemessen an der geringeren maximalen Speichermenge deutlich höher. Bei 20 °C und 55 Prozent Raumluftfeuchte liegen an einer 15 °C warmen Wand rund 76 Prozent, an einer 12 °C warmen Wand fast 92 Prozent.
Kann Schimmel auch bei 50 Prozent Luftfeuchtigkeit im Raum entstehen?
Ja. Bei 50 Prozent Raumluftfeuchte und 21 °C liegt der Taupunkt bei 10,2 °C. Jede Wandoberfläche unter etwa 13 °C erreicht dann eine Oberflächenluftfeuchte über 80 Prozent, was für Schimmel reicht. Deshalb schimmelt es auch in Wohnungen, in denen das Hygrometer nie über 55 Prozent zeigt, wenn Wärmebrücken oder verstellte Möbel die Wandoberfläche stark abkühlen.
Wie kann ich den Taupunkt senken?
Nur über die Luftfeuchte, denn die Raumtemperatur willst du im Winter ja hoch halten. Weniger Feuchte in die Luft (kürzer duschen, Wäsche nicht drinnen trocknen, Kochdunst abziehen), mehr Feuchte raus (regelmäßig stoßlüften), gegebenenfalls Luftentfeuchter. Zehn Prozentpunkte weniger Luftfeuchte senken den Taupunkt bei 21 °C um rund 2 °C.
Über den Autor
Lukas beschäftigt sich seit 2012 mit Luftfeuchtigkeit und Raumklima. Der Auslöser war ein Feuchtigkeitsproblem im eigenen Altbau, ausgelöst durch einen dauerhaft über 70 % feuchten Keller und die ersten Schimmelflecken hinter dem Schlafzimmerschrank. Seitdem hat er über ein Dutzend Luftentfeuchter getestet und misst Taupunkt und Oberflächentemperatur in seinem Haus jeden Winter mit Hygrometer und Infrarot-Thermometer. Als Vater von zwei Kindern achtet er besonders auf ein gesundes Raumklima. Mehr über Lukas →