Der Regen hat aufgehört, und unten im Keller steht das Wasser. Kartons schwimmen, die Wände sind bis zur Hüfte dunkel, und du weißt nicht, womit du anfangen sollst. Genau in dieser Lage waren meine Eltern nach einem heftigen Starkregen. Ich habe damals miterlebt, wie lange so ein Keller wirklich braucht, bis er wieder trocken ist: Die Trocknungsgeräte liefen sechs Wochen lang.
In diesem Ratgeber bekommst du die richtige Reihenfolge für die ersten Stunden, und danach alles, was in den Wochen der Trocknung wichtig wird: Bautrockner, Stromkosten, Versicherung und die Frage, wann dein Keller tatsächlich trocken ist.
Keller unter Wasser, was tun? Die Kurzantwort
- Sicherheit zuerst: Strom für den Keller abschalten, bevor du ins Wasser gehst. Liegt der Sicherungskasten selbst im Wasser, geh nicht runter und ruf die Feuerwehr.
- Fotografieren: Wasserstand und Schäden dokumentieren, dann sofort die Versicherung informieren.
- Wasser raus: mit einer flachabsaugenden Tauchpumpe und einem Nasssauger, bei großen Mengen über die Feuerwehr.
- Ausräumen: Nasses raus, Schlamm entfernen, solange er noch feucht ist.
- Trocknen: Bautrockner bei geschlossenen Fenstern laufen lassen. Rechne mit mehreren Wochen.
- Erst abbauen, wenn die Wände trocken sind: Das zeigt eine Messung der Materialfeuchte, nicht das Hygrometer.
Erst die Sicherheit: Strom, Öl und Notruf
So groß der Drang ist, sofort runterzugehen und zu retten, was zu retten ist: Wasser und Strom sind eine lebensgefährliche Kombination. Steht das Wasser über Steckdosen, Verteilern oder an der Waschmaschine, schalte vorher die Sicherungen für den Keller ab. Befindet sich der Sicherungskasten selbst im überfluteten Bereich, gehst du nicht ins Wasser. Dann ist das ein Fall für die Feuerwehr oder deinen Netzbetreiber.
Zwei weitere Warnzeichen: Riecht es nach Heizöl, oder ist ein Öltank umgekippt, ruf die 112. Ausgelaufenes Öl ist ein Umweltschaden und macht aus dem Wasserschaden schnell einen Sanierungsfall. Und wenn das Wasser durch einen Rückstau aus dem Kanal kam, ist es oft mit Abwasser belastet. Zieh Gummistiefel und Handschuhe an und fass nichts mit bloßen Händen an.
Elektrogeräte, die im Wasser standen, steckst du erst wieder ein, wenn ein Elektriker sie geprüft hat. Das gilt besonders für Heizung, Gefriertruhe und Waschmaschine.
Wasser raus: Pumpe, Nasssauger oder Feuerwehr?
Bei größeren Mengen und akuter Gefahr hilft die Feuerwehr. Nach einem Unwetter ist sie allerdings oft im Dauereinsatz und arbeitet nach Dringlichkeit. Ob ein Einsatz etwas kostet, regelt jede Gemeinde selbst. Wenn du es selbst schaffen kannst, bist du meistens schneller.
Dafür brauchst du eine Schmutzwasser-Tauchpumpe. Achte auf das Wort flachabsaugend: Normale Pumpen hören bei einigen Zentimetern Wasserstand auf und lassen eine Pfütze zurück, die du dann eimerweise rausträgst. Flachabsaugende Modelle schaffen den Boden bis auf etwa einen Millimeter. Was danach noch steht, holst du mit einem Nass-Trockensauger auf.
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- Pumpenstart bereits ab 8 Millimeter Wasserstand möglich.
- Flachabsaugend bis 1 Millimeter Restwasserstand.
Ein wichtiger Sonderfall: Ist das Wasser nicht durch Starkregen von oben, sondern durch Hochwasser oder steigendes Grundwasser in den Keller gekommen, pumpe nicht vorschnell alles ab, solange draußen noch Wasser steht. Der Druck von außen kann Kellerwände und Bodenplatte beschädigen, wenn innen kein Gegendruck mehr da ist. Frag in diesem Fall die Feuerwehr, wann abgepumpt werden darf.
Dokumentieren und melden, bevor du ausräumst
Bevor das erste nasse Teil auf dem Sperrmüll landet, mach Fotos und kurze Videos: Wasserstand an der Wand, beschädigte Möbel, Geräte, Vorräte. Schreib eine Liste der kaputten Gegenstände und heb Kaufbelege auf, wenn du sie findest. Dann meldest du den Schaden sofort bei deiner Versicherung.
Du musst nicht tagelang auf ein Okay warten, bevor du anfängst. Als Versicherungsnehmer bist du sogar verpflichtet, den Schaden nicht größer werden zu lassen. Abpumpen, Ausräumen und Trocknen gehören dazu. Wichtig ist nur, dass vorher alles festgehalten ist.
Ein Punkt, der viele überrascht: Schäden durch Starkregen und Rückstau zahlt die normale Wohngebäude- oder Hausratversicherung in der Regel nur, wenn eine Elementarschadenversicherung mit abgeschlossen ist. Was in deinem Fall gilt, steht in deinem Vertrag. Ich bin kein Versicherungsexperte, deshalb klär die Details direkt mit deiner Versicherung.
Ausräumen und Schlamm entfernen
Alles, was nass ist, kommt raus: Kartons, Textilien, Teppiche, Möbel aus Pressspan. Pressspan saugt sich voll und quillt auf, retten lässt er sich fast nie. Lebensmittel, die mit dem Wasser in Kontakt waren, gehören in den Müll, auch wenn die Verpackung dicht aussieht. Bei großen Mengen Sperrmüll nach einem Unwetter organisieren viele Gemeinden Sonderabholungen. Ein Anruf beim örtlichen Entsorger lohnt sich.
Schlamm musst du entfernen, solange er noch feucht ist. Getrocknet klebt er wie Mörtel am Boden. Schaufel, Schrubber und ein Wasserschlauch reichen, danach den Boden gründlich nachwischen.
Ein Hinweis zum Fußboden: Liegt im Keller ein Estrich auf einer Dämmschicht, kann sich das Wasser darunter gesammelt haben. Das bekommt ein Raumtrockner allein nicht heraus. Dafür gibt es die Dämmschichttrocknung durch eine Fachfirma, bei der Luft durch Bohrlöcher unter den Estrich gezogen wird. Ein einfacher Betonboden ohne Dämmung trocknet dagegen mit der Raumluft mit.
Keller trocknen: So lief es bei meinen Eltern
Nach dem Abpumpen sieht der Keller oft schon fast normal aus. Das täuscht. Die Wände haben sich vollgesaugt und geben die Feuchtigkeit über Wochen langsam an die Raumluft ab. Genau diese Feuchtigkeit muss raus, sonst kommt einige Wochen später der Schimmel.
Bei meinen Eltern hat die Versicherung eine Trocknungsfirma geschickt. Die hat Bautrockner aufgestellt, die Feuchte in den Wänden gemessen und regelmäßig nachkontrolliert. Am Ende liefen die Geräte sechs Wochen lang, Tag und Nacht. Aus dieser Zeit habe ich drei Dinge mitgenommen:
- Fenster und Türen bleiben zu. Ein Bautrockner entzieht der Raumluft das Wasser. Mit offenem Fenster würde er nur ständig neue feuchte Außenluft trocknen. Gelüftet wird höchstens kurz, wenn jemand im Raum arbeitet.
- Wände freistellen. Regale und Schränke müssen von der Wand weg, sonst trocknet es dahinter nicht.
- Nicht zu früh abbauen. Die Versuchung ist groß, wenn der Lärm nervt und der Keller trocken aussieht. Entscheidend ist aber die Messung, dazu gleich mehr.
Reicht ein normaler Luftentfeuchter?
Für einen überfluteten Keller in der Regel nicht. Ein typischer Haushalts-Luftentfeuchter mit 10 bis 20 Litern Tagesleistung ist für Räume gedacht, die etwas zu feucht sind, nicht für Wände, die sich vollgesogen haben. Nach einem Wasserschaden brauchst du Bautrockner mit 40 bis 50 Litern Tagesleistung und mehr, bei großen Kellern auch mehrere davon. Welche Klasse zu deiner Kellergröße passt, siehst du im Luftentfeuchter-Größen-Rechner (Feuchtestufe „stark“ wählen).
Zahlt die Versicherung, stellt meistens sie oder ihre Trocknungsfirma die Geräte. Ohne Versicherung kannst du Bautrockner im Baumarkt oder beim Geräteverleih mieten. Für Haus- und Gartenbesitzer, die öfter mit Wasser im Keller kämpfen, kann sich auch ein eigenes Gerät lohnen. Praktisch ist ein Modell mit Betriebsstundenzähler, weil du damit die Laufzeit belegen kannst.
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Ist der Keller grundsätzlich feucht, auch ohne Unwetter, ist das ein anderes Problem mit anderen Lösungen. Dafür habe ich einen eigenen Ratgeber zum Luftentfeuchter für den Keller geschrieben.
Stromkosten: Was die Trocknung kostet und wer sie zahlt
Bautrockner sind Stromfresser. Typische Geräte ziehen 600 bis 900 Watt. Läuft eines mit 800 Watt rund um die Uhr, sind das etwa 19 Kilowattstunden am Tag. Bei 37 Cent pro Kilowattstunde kommst du auf rund 7 Euro pro Tag und Gerät. Weil der Kompressor nicht ununterbrochen arbeitet, liegt der echte Verbrauch meist etwas darunter. Über sechs Wochen sind trotzdem schnell 200 bis 300 Euro pro Gerät erreicht. Deine eigenen Zahlen kannst du mit dem Stromkosten-Rechner durchspielen.
Bei meinen Eltern hat die Trocknungsfirma einen Zwischenzähler gesetzt. Am Ende wurde abgelesen, und die Versicherung hat den Strom erstattet. Das ist der sauberste Weg. Wenn kein Zwischenzähler gestellt wird, notiere zumindest am ersten und am letzten Tag den Stand deines Hauptzählers mit Foto und Datum.
Wer die Geräte selbst mietet oder kauft, kann den Verbrauch mit einem Energiekosten-Messgerät für die Steckdose festhalten. Frag aber vorher bei deiner Versicherung nach, ob sie diese Werte akzeptiert oder einen geeichten Zwischenzähler verlangt.
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Wann ist der Keller wirklich trocken?
Hier passiert der häufigste Fehler. Viele schauen aufs Hygrometer, sehen 55 Prozent Luftfeuchtigkeit und bauen die Geräte ab. Nur: Während ein Bautrockner läuft, ist die Raumluft immer trocken. Das sagt nichts darüber aus, wie viel Wasser noch in den Wänden steckt. Schaltest du zu früh ab, steigt die Luftfeuchtigkeit in den nächsten Tagen wieder an, und genau dann beginnt der Schimmel.
Entscheidend ist die Materialfeuchte in Wand und Boden. Bei meinen Eltern hat die Trocknungsfirma zu Beginn an festen Punkten gemessen und diese Messung regelmäßig wiederholt. Abgebaut wurde erst, als die Werte wieder im normalen Bereich lagen. Dieses Messprotokoll ist auch für die Versicherung wichtig.
Wenn du ohne Firma trocknest, hilft dir ein Feuchtigkeitsmessgerät für Wände. Ehrlich gesagt: So ein Gerät ersetzt keine Profi-Messung, die genauen Werte hängen vom Material ab. Für den Verlauf ist es aber sehr hilfreich. Markiere dir einige Messpunkte, zum Beispiel unten an der Wand und auf Kniehöhe, miss jede Woche an denselben Stellen und vergleiche mit einer Wand, die nicht im Wasser stand. Solange die Werte noch sinken, ist die Wand nicht fertig.
- Feuchtigkeitsmesser: Zur Vor-Ort-Kontrolle auf der Baustelle oder beim Neubau...
- Display: Über die Anzeige im Display erfahren Sie ob das gemessene Material...
- Messobjekt: Messobjekt wird nicht beschädigt, einfach das Messobjekt mit der...
Nach dem Abbau behältst du die Luftfeuchtigkeit noch ein paar Wochen im Blick. Ein einfaches Hygrometer im Keller zeigt dir, ob die Werte stabil bleiben. Klettert die Luftfeuchtigkeit wieder deutlich über 60 Prozent, gibt das Mauerwerk noch Wasser ab.
Schimmel nach dem Wasserschaden erkennen
Feuchte Wände sind der perfekte Nährboden für Schimmel. Je länger Wände und Material nass bleiben, desto größer wird das Risiko. Achte in den Wochen nach der Trocknung auf muffigen Geruch, dunkle Punkte in Ecken und hinter wieder aufgestellten Regalen. Wie du Schimmel im Keller erkennst und was dann zu tun ist, steht im Ratgeber Schimmel in der Wohnung und im Keller.
Größere Flächen gehören in die Hände einer Fachfirma, nicht in die Hand mit dem Schwamm. Das empfiehlt auch das Umweltbundesamt. Finger weg von Hausmitteln wie Essig: Auf kalkhaltigem Putz verpufft die Wirkung, und der Schimmel ist schnell wieder da.
Damit es beim nächsten Starkregen nicht wieder passiert
Starkregen lässt sich nicht verhindern, aber das Wasser lässt sich oft draußen halten:
- Rückstausicherung: Kam das Wasser aus dem Abfluss im Kellerboden, fehlt oft eine Rückstauklappe oder sie war nicht gewartet. Lass das von einem Installateur prüfen.
- Abläufe und Lichtschächte: Hofabläufe, Dachrinnen und Kellerschächte regelmäßig von Laub und Schlamm befreien. Lichtschächte lassen sich mit Abdeckungen oder Aufkantungen schützen.
- Kellertür und Außentreppe: Eine kleine Schwelle oder ein mobiles Schott an der Außentreppe verhindert, dass der Hof in den Keller läuft.
- Richtig lagern: Wichtiges in verschlossenen Kunststoffboxen und auf Regalen statt auf dem Boden.
- Versicherung prüfen: Ein Blick in den Vertrag, ob Elementarschäden abgedeckt sind, kostet fünf Minuten.
Und wenn der Keller wieder in Betrieb ist: Im Sommer bringt falsches Lüften neue Feuchtigkeit herein. Wie du den Keller zur richtigen Zeit lüftest, erkläre ich im Ratgeber zum richtigen Lüften im Keller.
Häufige Fragen zum Keller unter Wasser
Wie lange dauert es, einen Keller nach einem Wasserschaden zu trocknen?
Meist mehrere Wochen. Wie lange genau, hängt davon ab, wie hoch das Wasser stand, wie lange es im Keller war und woraus die Wände bestehen. Bei meinen Eltern liefen die Bautrockner sechs Wochen. Verlass dich nicht auf einen festen Zeitraum, sondern auf die Messung der Materialfeuchte.
Zahlt die Versicherung den Strom für die Bautrockner?
Wenn der Schaden versichert ist, in der Regel ja. Am einfachsten geht das mit einem Zwischenzähler, den die Trocknungsfirma setzt. Ohne Zwischenzähler den Hauptzähler zu Beginn und am Ende mit Foto ablesen und vorher mit der Versicherung klären, welchen Nachweis sie akzeptiert.
Fenster auf oder zu, wenn der Bautrockner läuft?
Zu. Der Bautrockner arbeitet nur effektiv, wenn er keine feuchte Außenluft nachziehen muss. Kurz lüften ist in Ordnung, wenn jemand im Raum arbeitet.
Reicht ein normaler Luftentfeuchter, um den Keller zu trocknen?
Nach einer Überflutung meistens nicht. Haushaltsgeräte mit 10 bis 20 Litern Tagesleistung sind zu schwach, um vollgesogene Wände in vertretbarer Zeit zu trocknen. Dafür brauchst du Bautrockner mit 40 bis 50 Litern Tagesleistung oder mehr.
Pumpt die Feuerwehr meinen Keller kostenlos aus?
Das ist von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich geregelt. Bei akuter Gefahr hilft die Feuerwehr in jedem Fall. Nach einem großen Unwetter musst du aber mit Wartezeit rechnen, weil sie nach Dringlichkeit arbeitet.
Über den Autor
Lukas beschäftigt sich seit 2012 mit Luftfeuchtigkeit und Raumklima. Der Auslöser war ein Feuchtigkeitsproblem im eigenen Altbau. Seitdem hat er über ein Dutzend Luftentfeuchter getestet. Wie lange ein Keller nach einer Überflutung wirklich zum Trocknen braucht, hat er bei seinen Eltern miterlebt: Nach einem Starkregen liefen dort sechs Wochen lang die Bautrockner. Als Vater von zwei Kindern achtet er besonders auf ein gesundes Raumklima. Mehr über Lukas →