Du räumst Kartons auf den Dachboden und siehst ihn: einen grünlichen, staubigen Belag an der Dachluke, weiße Flecken auf den Balken oder dunkle Punkte unter den Platten. Der erste Gedanke ist meist: Ist das ein Bauschaden? Und ist das gefährlich?
Ich kenne diesen Schreck aus der eigenen Familie. Nach einem Hausbau zeigte sich im ersten Winter grüner, pudriger Schimmel an der Dachluke, obwohl der Dachboden ganz neu war. In diesem Ratgeber erfährst du, warum gerade unter dem Dach so oft Schimmel entsteht, wie du einschätzt, wie ernst dein Befall ist, was du selbst tun kannst und ab wann ein Fachbetrieb dran muss.
Schimmel auf dem Dachboden: die Kurzantwort
- Häufigste Ursache: Warme, feuchte Luft aus dem Wohnraum steigt nach oben und kondensiert an kalten Bauteilen. Im Neubau kommt die Restfeuchte aus Estrich und Putz dazu.
- Erst die Ursache abstellen: Luke und Anschlüsse abdichten, Feuchtequellen aus dem Dachraum fernhalten, Bauteile abtrocknen lassen.
- Kleine Flächen selbst reinigen: bis etwa 0,5 m² oberflächlicher Befall, mit 70- bis 80-prozentigem Alkohol, Maske und Handschuhen.
- Fachbetrieb holen, wenn der Befall großflächig ist, das Holz weich oder morsch wirkt oder Wasser von außen eindringt.
- Messen statt raten: Holzfeuchte und Luftfeuchte zeigen dir, ob das Problem wirklich gelöst ist.
Woher kommt Schimmel auf dem Dachboden?
Schimmel braucht vor allem eines: Feuchtigkeit über längere Zeit. Auf dem Dachboden kommt sie fast nie aus heiterem Himmel, sondern aus einer dieser Quellen.
Warme Luft aus dem Wohnraum
Das ist die häufigste Ursache, und genau das war es auch bei uns. Warme Luft steigt nach oben und nimmt die Feuchtigkeit aus Küche, Bad und Schlafzimmer mit. Findet sie einen Weg in den kalten Dachraum, etwa durch eine undichte Bodentreppe, offene Fugen an Leitungsdurchführungen oder eine nicht luftdichte Decke, kühlt sie dort ab. An kalten Flächen sinkt sie unter ihren Taupunkt, und das Wasser schlägt sich nieder. Die Dachluke ist dabei ein typischer Schwachpunkt: Auf der einen Seite ist es warm, auf der anderen kalt, und dazwischen sitzt oft nur eine dünne Holzplatte.
Restfeuchte im Neubau
Ein neues Haus enthält in den ersten ein bis zwei Jahren erstaunlich viel Wasser, vor allem in Estrich, Putz und Mauerwerk. Diese Feuchtigkeit muss irgendwohin. Ist der Dachboden dann schon mit Platten belegt und kaum belüftet, staut sie sich genau dort. Mehr zur Baufeuchte im Wohnbereich findest du im Ratgeber zum Luftentfeuchter im Neubau.
Feuchtigkeit von außen und fehlende Belüftung
Auch das Dach selbst kann die Quelle sein: ein verrutschter oder gebrochener Ziegel, ein undichtes Dachfenster, eine beschädigte Unterspannbahn oder fehlende Lüftungsöffnungen im Dachraum. Ein weiterer Klassiker sind Abluftrohre von Bad oder Dunstabzug, die nicht übers Dach geführt werden, sondern im Dachboden enden. Und wer dort oben im Winter Wäsche trocknet, bringt literweise Wasser in einen kalten Raum.
Aus der Familie: Schimmel an der Dachluke im ersten Winter
Der Dachboden war bei uns noch nicht ausgebaut, aber schon mit OSB-Platten belegt, damit man oben etwas abstellen konnte. Kurz vor dem ersten Winter zeigte sich an der Dachluke ein grüner Belag, der fast wie Staub aussah. Die Ursache war schnell klar: Warme, feuchte Luft aus dem Haus staute sich unter den Platten und fand an der kalten Luke ihren Ausweg.
Wir haben die OSB-Platten wieder hochgenommen und ein ganzes Jahr offen gelassen, bis die Restfeuchte aus den Wänden raus war. Dazu kamen regelmäßiges Lüften und die Reinigung der befallenen Stellen. Damals haben wir ein Schimmelspray verwendet. Heute würde ich zu 70-prozentigem Alkohol greifen, wie es das Umweltbundesamt empfiehlt (mehr dazu unten). Inzwischen ist der Dachboden ausgebaut und gedämmt, und das Problem ist nie wiedergekommen.
Die wichtigste Lehre daraus: Das Reinigen war der kleinste Teil. Gelöst hat das Problem erst das Abtrocknen und dass die feuchte Luft nicht mehr unter die Platten kam.
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Wie ernst ist dein Befall? So schätzt du ihn ein
Nicht jeder Fleck unter dem Dach ist gleich ein Sanierungsfall. Diese Fragen helfen dir bei der Einschätzung:
- Wie groß ist die Fläche? Einzelne Flecken oder ein Belag bis etwa 0,5 m² gelten als kleiner, oberflächlicher Befall. Alles darüber gehört in Fachhände.
- Ist das Holz noch fest? Drück mit einem Schraubendreher auf die Stelle. Gibt das Holz nach, ist es weich, bröselig oder würfelförmig gerissen, ist das kein reiner Oberflächenschimmel mehr.
- Wie sieht der Belag aus? Grüner oder grauer Staub ist meist oberflächlicher Schimmel. Bläuliche bis schwarze Verfärbungen im Holz können auch sogenannte Bläuepilze sein, die das Holz optisch verändern, es aber nicht schwächen. Watteartige, weiße Geflechte mit Strängen, dazu muffiger Pilzgeruch, können auf einen holzzerstörenden Pilz wie den Hausschwamm hindeuten. Dann bitte sofort einen Fachbetrieb rufen.
- Ist die Ursache klar? Wenn du die Feuchtequelle nicht findest oder Wasser von außen kommt, hilft keine Reinigung dauerhaft.
Was du jetzt tun solltest
1. Ursache abstellen
Ohne diesen Schritt kommt der Schimmel wieder, egal wie gründlich du putzt. Prüfe die Dachluke auf Undichtigkeiten: Eine einfache Bodentreppe ist oft kaum gedämmt und schließt nicht luftdicht. Eine Dichtung oder eine Dämmhaube von oben bringt hier schon viel. Leitungsdurchführungen und Fugen zum Wohnraum dichtest du ab. Bad- und Küchenabluft muss ins Freie geführt werden, nicht in den Dachraum. Und schau dir das Dach von außen an, wenn Flecken nur an bestimmten Stellen unter den Ziegeln auftauchen.
2. Abtrocknen lassen
Feuchte Bauteile müssen trocknen, bevor du wieder etwas darüberlegst oder verkleidest. Liegen Platten auf feuchtem Untergrund, nimm sie wenn nötig hoch, so wie wir es gemacht haben. Ob das Holz wieder trocken ist, siehst du nicht mit bloßem Auge. Ein einfaches Feuchtigkeitsmessgerät zeigt dir die Holzfeuchte. Als grobe Orientierung gilt: Dauerhaft über etwa 20 Prozent Holzfeuchte haben Schimmel und Pilze gute Bedingungen.
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- Feuchtigkeitsmessgerät mit praktischer "Hold"-Funktion...
Ein elektrischer Luftentfeuchter hilft beim Trocknen weniger, als viele denken. Normale Kondensationsgeräte arbeiten im kalten Dachboden schlecht, weil sie bei niedrigen Temperaturen kaum noch Wasser aus der Luft holen. Sinnvoller ist es, die Feuchtigkeit schon im Wohnbereich zu senken, damit sie gar nicht erst nach oben steigt. Wie das gelingt, zeige ich im Ratgeber Luftfeuchtigkeit senken.
3. Kleine Flächen richtig reinigen
Oberflächlichen Befall bis etwa 0,5 m² kannst du selbst entfernen. Trag dabei eine FFP2-Maske, Handschuhe und eine Schutzbrille, denn beim Abwischen werden Sporen aufgewirbelt. Das Umweltbundesamt empfiehlt für kleine Flächen 70- bis 80-prozentigen Alkohol (Ethanol). Chlorhaltige Schimmelsprays sind nicht nötig und belasten die Raumluft. Wisch die Stelle feucht ab, statt trocken zu bürsten, und entsorge die Lappen direkt im Hausmüll. Wie du bei Schimmel in Wohnräumen vorgehst, liest du im Ratgeber Schimmel in der Wohnung entfernen.
4. Wann ein Fachbetrieb ran muss
Hol dir Hilfe vom Dachdecker, Zimmermann oder einem Schimmelsachverständigen, wenn
- der Befall größer als etwa 0,5 m² ist oder tief im Material sitzt,
- das Holz weich, morsch oder rissig ist,
- Wasser von außen eindringt oder die Unterspannbahn beschädigt ist,
- du die Ursache nicht findest und der Schimmel immer wiederkommt.
Mehr zur Einschätzung findest du beim Umweltbundesamt zum Thema Schimmel.
Den Dachboden im Blick behalten
Auf den Dachboden schaut man selten. Genau deshalb fällt Schimmel dort oft erst auf, wenn er schon sichtbar ist. Ein Hygrometer mit App und Verlauf zeigt dir, wie sich die Luftfeuchtigkeit oben über Tage und Wochen entwickelt.
Wichtig beim Deuten: In einem unbeheizten Dachboden ist die relative Luftfeuchtigkeit im Winter oft höher als in der Wohnung, weil kalte Luft weniger Wasser aufnehmen kann. Werte um 70 Prozent sind dort nicht automatisch ein Alarmsignal. Kritisch wird es, wenn die Feuchte über längere Zeit über 80 Prozent liegt, deutlich höher ist als draußen oder du Kondenswasser an der Dachbahn oder an Bauteilen findest.
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Schimmel auf dem Dachboden vorbeugen
- Luftdicht nach unten: Bodentreppe dichten und dämmen, Fugen und Durchführungen zum Wohnraum schließen.
- Belüftet nach oben: Ein ungedämmter Dachraum braucht Luftaustausch über Lüftungsziegel oder Firstentlüftung. Diese Öffnungen nicht zustellen.
- Keine Feuchtequellen im Dachraum: keine Wäsche trocknen, keine Abluftrohre enden lassen.
- Im Neubau Geduld haben: Den Dachboden erst belegen oder ausbauen, wenn die Baufeuchte raus ist.
- Die Wohnung trocken halten: Je weniger Feuchtigkeit unten entsteht, desto weniger kommt oben an. Wie du im Dachgeschoss richtig lüftest, steht im Ratgeber Richtig lüften im Dachgeschoss.
Wohnst du im ausgebauten Dachgeschoss und siehst Schimmel an Wänden, Dachschrägen oder Fenstern, ist das ein anderes Thema mit anderen Ursachen. Dann helfen dir die Ratgeber zu Schimmel in der Wohnung und zu beschlagenen Dachfenstern weiter.
Häufige Fragen zu Schimmel auf dem Dachboden
Ist Schimmel auf dem Dachboden gefährlich?
Für die Gesundheit vor allem dann, wenn Sporen in die Wohnräume gelangen oder du dich oft dort oben aufhältst. Für das Haus wird es kritisch, wenn die Feuchtigkeit dauerhaft bleibt und das Holz angreift. Ein kleiner, oberflächlicher Befall ist meist gut in den Griff zu bekommen, wenn die Ursache abgestellt wird.
Was bedeutet weißer Schimmel auf dem Dachboden?
Weiße Beläge können Schimmel sein, aber auch das Geflecht eines holzzerstörenden Pilzes. Ist der Belag watteartig, bildet er Stränge und wirkt das Holz darunter weich oder rissig, solltest du sofort einen Fachbetrieb hinzuziehen.
Warum bildet sich im Neubau Schimmel auf dem Dachboden?
Weil ein Neubau in den ersten ein bis zwei Jahren viel Restfeuchte abgibt. Steigt diese feuchte Luft in einen kalten, schlecht belüfteten Dachraum, kondensiert sie an kalten Bauteilen. Ist der Boden bereits mit Platten belegt, staut sich die Feuchtigkeit darunter zusätzlich.
Hilft ein Luftentfeuchter auf dem Dachboden?
Nur eingeschränkt. Kondensationsgeräte arbeiten bei niedrigen Temperaturen schlecht. Wichtiger ist, die Ursache abzustellen und die Luftfeuchtigkeit im Wohnbereich zu senken, damit weniger Feuchte nach oben gelangt.
Womit entferne ich Schimmel am Dachbalken?
Oberflächlichen Befall auf kleinen Flächen mit 70- bis 80-prozentigem Alkohol abwischen, dabei Maske, Handschuhe und Schutzbrille tragen. Ist das Holz weich oder der Befall großflächig, gehört die Sanierung in die Hände eines Fachbetriebs.
Über den Autor
Lukas beschäftigt sich seit 2012 mit Luftfeuchtigkeit und Raumklima. Der Auslöser war ein Feuchtigkeitsproblem im eigenen Altbau. Seitdem hat er über ein Dutzend Luftentfeuchter getestet. Schimmel unter dem Dach kennt er aus der Familie: Nach einem Hausbau zeigte sich im ersten Winter grüner Schimmel an der Dachluke, gelöst hat ihn erst ein Jahr Abtrocknen. Als Vater von zwei Kindern achtet er besonders auf ein gesundes Raumklima. Mehr über Lukas →